Diagnostik

Mikrobiologie

Direktor:
Prof. Dr. med. Christian Bogdan

Moderne Mikrobiologische Diagnostik mit Bereitschaftsdienst

Die diagnostische Abteilung unter der Leitung von Oberarzt Dr. med. Dipl.-Chem. Christoph Schoerner ist seit 2005 akkreditiert und unterzieht sich ständig aktuellen Verfahren der externen Qualitätssicherung. Es werden jährlich ca. 65.000 Proben von Patienten aus dem Universitätsklinikum untersucht. Ziel ist es, bei Patienten mit Verdacht auf eine Infektionserkrankung möglichst schnell den relevanten Erreger (Bakterien, Pilze oder Parasiten) und dessen Empfindlichkeit gegenüber Antiinfektiva (Medikamente gegen Infektionen) festzustellen und dadurch den Ärzten am Krankenbett wertvolle Hinweise für die richtige therapeutische Behandlung zu geben. Der Kontakt zwischen Labor und den Kliniken ist eng: Wichtige Befunde werden unmittelbar bereits telefonisch mitgeteilt und dabei mögliche weitere diagnostische Maßnahmen oder Therapieschritte diskutiert. Kritische Fälle auf Intensivstationen oder Stationen mit Patienten, deren Immunabwehr geschwächt ist, werden zudem vor Ort im Rahmen einer wöchentlichen Visite besprochen. Bei infektiologischen Notfällen, z.B. Verdacht auf bakterielle Entzündungen im Auge oder der Hirnhäute, kann durch eine Schnelldiagnostik die antiinfektive Behandlung verbessert werden. Hierfür steht außerhalb der regulären Dienstzeiten rund um die Uhr ein mikrobiologischer Bereitschaftsdienst zur Verfügung.

Die zu untersuchenden Proben werden von der Klinik-Service-Gesellschaft von den Sammelpunkten der Kliniken ins Mikrobiologische Labor verbracht. Dort werden die Proben entsprechend der Untersuchungsanforderung im allgemein-bakteriologischen Labor („Varia“) oder dem entsprechenden Speziallabor (Urin-, Stuhl-, Mykobakterien-, Pilz- oder Leishmanienlabor, Molekularbiologie, Serologie, Hygienelabor) bearbeitet.

Auch im Zeitalter der molekularen Verfahren hat die Mikroskopie und die Kultur von Bakterien und Pilzen auf Nährböden nach wie vor eine zentrale diagnostische Bedeutung: Durch die Färbung von speziell vorbereiteten Untersuchungsmaterialien ergeben sich schnell erste Hinweise auf eine Infektion, während es durch die Anzucht möglich ist, Krankheitserreger von der Normalflora zu trennen, die Art der Bakterien zu bestimmen und vor allem die Empfindlichkeit bzw. Resistenz gegenüber Antiinfektiva zu testen. Dies setzt voraus, dass geeignetes Patientenmaterial unter möglichst sterilen Bedingungen gewonnen und ohne Inaktivierung (Fixierung), d.h. naturbelassen, eingesandt wird.

Bei manchen Infektionen (z.B. Borreliose, Geschlechtskrankheiten wie der Syphilis, Atemwegsinfektionen mit Coxiellen, Chlamydien oder Mykoplasmen) lassen sich die Erreger nicht oder nicht zeitnah anzüchten. Die Infektion kann hier zum einen indirekt über serologische Verfahren, d.h. den Nachweis der spezifischen, vom Patienten gebildeten Antikörper geführt werden. In manchen Fällen, wie z.B. bei Verdacht auf Infektionen mit dem Pilz Aspergillus, ist auch der hochsensitive Nachweis von Erregerbestandteilen (Antigenen) wegweisend. Als dritte Möglichkeit existiert der Erregernachweis über molekularbiologische Verfahren, die heute aus der mikrobiologischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken sind und die vor allem auf der Vermehrung von Nukleinsäuren (Polymerase-Ketten-Reaktion, PCR) basieren. Die im Mikrobiologischen Institut eingesetzten PCR-Verfahren dienen (a) dem Nachweis eines konkreten Erregers, was bei Verdacht auf resistente Staphylococcus aureus Stämme (MRSA) auch im Schnelltestformat erfolgt; (b) dem Nachweis von krankheitsvermittelnden Bakterienprodukten (sog. Virulenzfaktoren wie z.B. Panton-Valentine Leukozidin PVL), oder (c) zur Überprüfung, ob überhaupt eine bakterielle Infektion vorliegt. Letzteres ist auch dann noch möglich, wenn der Erreger durch die antibiotische Therapie bereits abgetötet und somit nicht mehr kultivierbar ist.

Mitte des Jahres 2009 wurden zwei wesentliche Neuerungen eingeführt. Zum einen wurden die auf Stoffwechselreaktionen beruhenden Verfahren zur Identifizierung von Bakterien und mancher Pilze weitgehend durch eine massenspektrometrische Analyse der Erregereiweiße abgelöst, welches einem Fingerabdruck gleichkommt (sog. MALDI-TOF-Verfahren). Dies hat die Zeit bis zur Erregerdiagnose um mindestens 24 Stunden verkürzt. Zum anderen erfolgen jetzt Untersuchungsanforderung und Befundmitteilung auf elektronischem Wege. Dies wurde möglich durch die Einrichtung eines neuen Laborinformationssystems.

 
 
 
 
 
Bitte tragen Sie Ihren Namen und gültige E-Mail-Adresse(n) ein!
X zum Schließen

Zusammenfassung